Die ersten Bücher, die ich gezählt habe, waren Baustellen- und Feuerwehrbücher. Das waren die Bücher, bei denen mir die stereotypischen Rollenverteilungen als erstes aufgefallen sind. Wir hatten am Anfang vor allem gebrauchte Bücher aus diesem Themenbereich und gebrauchte Bücher sind meist älter und ältere Bücher sind naja älter... es waren andere Zeiten.
Zum Glück hat sich da einiges getan, wie man an diesen beiden Büchern gut erkennen kann. Hier arbeiten männliche und weibliche Figuren nebeneinander, jeder hat gleichwertige Aufgaben. Auch das ist eine Beobachtung, die ich gemacht habe: Es gab zwar früher schon Frauen auf den Buch-Baustellen, aber die waren dann meist die Architektin. Ist zwar schön, wenn die Frau so einen hochqualifizierten Beruf hat, aber Frauen können auch anpacken. Ein Mauerstein ist nicht schwerer als ein Kind, das frau laut dem Patriachat auch rumtragen soll. Aber das ist in manchen Büchern nicht gewollt. Hier schon.
Auch in den Buch-Feuerwehren gab es früher Frauen nur so am Rande. In einem Buch werden sie ganz am Ende noch erwähnt, weil sie ja dann doch in den Freiwilligen Feuerwehren vertreten sind. Meistens sind sie aber die Personen, die gerettet werden müssen. In diesem Buch sind sie ein aktiver Teil der Löschgruppe.
Zeigen die Bücher die Realität?
Nein. Baustellen und Feuerwehren sind hier in Deutschland noch recht männlich besetzt. Laut dem Deutschen Feuerwehr Verband gab es 2022 einen Frauenanteil von 2,7 % bei den Berufsfeuerwehren. In der Freiwilligen Feuerwehr waren es 11 %.
Laut dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V liegt der Anteil an weiblichen Beschäftigten im Baugewerbe bei 14 %. Je höher qualifiziert die Person ist, desto wahrscheinlicher wird es, dass es auch eine Frau sein könnte.
Wie können wir das ändern? (Das es was zu ändern gibt, stell ich nicht mal zur Debatte)
Wir können was ändern, indem wir allen Kindern die Möglichkeit geben, das zu werden, was sie wollen. Indem wir sie nicht einschränken und dem Mädchen sagen "Feuerwehr ist nur was für Jungs" oder der jugendlichen Frau das Praktikum im Friseursalon empfehlen, anstatt in der Zimmerei. Oder indem wir Jungs erzählen, dass nur sie die Retter sein können und die ganze „harte und richtige“ Arbeit zuständig sind.
Wir können was ändern, indem wir ihnen von Anfang an zeigen, dass alle Menschen auf dem Bau oder bei der Feuerwehr sein können.
Wir können was ändern, indem wir, wenn wir die Möglichkeit haben, die oft sexistischen Strukturen in diesen beiden Arbeitsfeldern hinterfragen und zerbrechen. Jede Frau, die zuerst in dem Gewerk zugange ist, wird kämpfen müssen. Aber sie ist dann Wegbereiterin für weitere Frauen, die andere Kämpfe haben werden. Aber irgendwann wird es normaler. Ich spreche hier aus Erfahrung, weil ich selbst in einem "Männerberuf" arbeite.
Also: Lest mit euren Kindern solche Bücher! Egal welches Geschlecht dieses Kind hat. Denn alle nehmen daraus etwas mit!
Nachtrag I: Die Bücher machen Spaß. Man muss auf jeder Seite Dinge machen und ist damit wirklich aktiv in der Geschichte drin.
Nachtrag II: Einen Kritikpunkt habe ich doch: In dem Baustellenbuch ist zwar eine weibliche Figur auf dem Cover, durch die Geschichte leitet dann ein Mann. Warum?
Nachtrag III: Wenn ihr ein Baustellenbuch mit kompletter Gleichberechtigung sucht und Kinder habt, die nicht so gern Mit-Mach-Bücher lesen, dann kann ich auch noch „Wer baut unser Haus?“ empfehlen.
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